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Warum sind Strompreise für Gewerbe und Industrie in Deutschland so hoch?

Die Energiekrise ist vorbei – niedrige Strompreise sind deshalb jedoch nicht automatisch zurück. 2026 bleiben die Energiekosten für deutsche Unternehmen ein wichtiger Wettbewerbsfaktor. Besonders Gewerbe und Industrie spüren, dass sich das Preisniveau am europäischen Energiemarkt nachhaltig verändert hat.

Warum sind Strompreise für Gewerbe und Industrie in Deutschland so hoch?

Die Ursachen liegen nicht allein an der Strombörse. Beschaffung, Netzentgelte, Steuern und Umlagen sowie der Umbau des deutschen Energiesystems bestimmen gemeinsam, was Unternehmen tatsächlich für Strom bezahlen.

Aktuell 2026: Strom bleibt für Unternehmen teuer

Die Großhandelspreise haben sich gegenüber den extremen Ausschlägen der Energiekrise deutlich normalisiert. Sie liegen aber weiterhin über dem früheren Niveau. Das Bundeswirtschaftsministerium nennt für 2025 einen durchschnittlichen Großhandelspreis von 8,9 ct/kWh gegenüber rund 3,5 ct/kWh in den Jahren vor der Energiekrise. Anfang 2026 lag der Day-Ahead-Preis zeitweise wieder bei rund 9,9 ct/kWh. Ein wesentlicher Einflussfaktor bleibt der Gaspreis, weil Gaskraftwerke in vielen Stunden den Strompreis am Markt mitbestimmen.

Für Industriekunden mit einem Jahresverbrauch zwischen 160.000 kWh und 20 Mio. kWh weist der Monitoringbericht für 2025 durchschnittlich 18,31 ct/kWh aus.

Warum Deutschland im europäischen Vergleich teuer bleibt

Auch andere europäische Länder waren von der Energiekrise betroffen. Dennoch unterscheiden sich die Strompreise für Unternehmen erheblich.

Eurostat zeigt für das zweite Halbjahr 2025 weiterhin große Unterschiede innerhalb Europas. Während die Preise für Nicht-Haushaltskunden EU-weit gegenüber dem Vorjahr um 5,4 Prozent zurückgingen, gehörten Länder wie Finnland weiterhin zu den deutlich günstigeren Stromstandorten. Deutschland verzeichnete zwar ebenfalls einen Rückgang, bleibt aber bei den Unternehmensstrompreisen vergleichsweise hoch.

Ein Grund sind die unterschiedlichen Voraussetzungen: Erzeugungsmix, verfügbare Kraftwerkskapazitäten, Netzkosten, Steuern und nationale Entlastungen unterscheiden sich von Land zu Land. Ein einfacher Vergleich des Börsenstrompreises reicht deshalb nicht aus.

Was treibt den Strompreis in Deutschland?

Ein wichtiger Faktor ist weiterhin die Strombeschaffung. In Stunden mit wenig Wind- und Solarstrom werden häufig Gaskraftwerke benötigt. Steigende Gaspreise können dadurch unmittelbar auf den Strommarkt wirken.

Hinzu kommen die Netzentgelte. Sie finanzieren Betrieb, Instandhaltung und Ausbau der Stromnetze und sind Bestandteil des Strompreises für Gewerbe und Industrie. Ihre Höhe unterscheidet sich unter anderem nach Netzgebiet, Netzebene und Leistungsmessung.

Interessant ist dabei: Steuern und Umlagen erklären die hohen deutschen Industriestrompreise heute nur noch teilweise. Von den durchschnittlich 18,31 ct/kWh für Industriekunden entfielen 2025 lediglich 2,19 ct/kWh auf Steuern, Abgaben und Umlagen. Beschaffung, Vertrieb und Netzentgelte haben inzwischen deutlich mehr Gewicht.

2026 soll die Industrie entlastet werden

Die hohen Stromkosten sind inzwischen auch politisch ein Standortthema. Für besonders strom- und handelsintensive Unternehmen wurde 2026 ein neuer Industriestrompreis eingeführt. Die Förderung gilt für die Abrechnungsjahre 2026 bis 2028 und soll bestimmte energieintensive Branchen gezielt entlasten. Anträge für das Jahr 2026 können rückwirkend ab 2027 gestellt werden.

Für die große Zahl der Gewerbe- und Industriebetriebe bedeutet das jedoch nicht automatisch einen einheitlich günstigeren Strompreis.

Beschaffung wird zum entscheidenden Faktor

Gerade deshalb lohnt sich für Unternehmen ein genauer Blick auf den beeinflussbaren Teil ihrer Stromkosten.

Festpreis, Terminmarkt, Spotmarkt oder flexible Beschaffung können je nach Verbrauchsstruktur und Marktsituation zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Bei größeren Strommengen gewinnt damit nicht nur die Frage an Bedeutung, wie hoch der Strompreis ist, sondern auch, wann und wie Strom beschafft wird.

Schnellstrom unterstützt Gewerbe- und Industriekunden ab 100.000 kWh Jahresverbrauch dabei, aktuelle Marktpreise und unterschiedliche Beschaffungsmöglichkeiten einzuordnen und zu vergleichen.

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Quellen: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Wettbewerbsfähige Strompreise, Juni 2026 · Bundesnetzagentur/Bundeskartellamt, Monitoringbericht 2025 · Eurostat, Electricity Price Statistics, Juli 2026 · Europäische Kommission, Electricity Market Reports.

Zuletzt aktualisiert am 17. September 2026 · Schnellstrom Redaktion
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